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Mittwoch, 13. Februar 2019

Karwendel 2015

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer
08. - 10.07.2015 ca. 54 km ca. 4.500 m ca. 4.075 m 3 Tage

Da in meinem Urlaub im Sommer 2015, aufgrund eines vorverlegten Fluges, noch einige Tage Platz waren, hatte ich mit zwei Freunden noch eine kurze 3-Tages-Tour durch das Karwendel eingeschoben. Da für den ersten Tag schon eine längere Tour geplant ist, reisen wir schon am Nachmittag des 07.07. mit dem Zug von München nach Innsbruck an. Es ist mit Temperaturen knapp über 38°C der bis dahin heißeste Tag in Innsbruck seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Abends angekommen gehen wir in der Innenstadt noch etwas essen und hoffen auf kühleres Wetter am Folgetag.


Tag 1: Innsbruck - Hallerangerhaus
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
08.07.2017 20.0 km 1.995 m 805 m 08:50 h Karwendel 2015 - Tag 1

Tour Tag 1
Goldenes Dachl in Innsbruck
Am Morgen des ersten Tages hat es tatsächlich abgekühlt. In der Nacht gab es schwere Gewitter und als wir starten wollen, geht gerade ein starker Schauer nieder. Mit etwas Verspätung geht es also schließlich in Innsbruck los. Da sich unser Hotel in der Nähe des Bahnhofs befindet, müssen wir zunächst einmal die Innenstadt in Richtung Norden durchqueren. Nach nicht ganz zwei Stunden erreichen wir dann auf etwas über 1.000 Meter die Enzianhütte, wo wir uns kurz hinsetzen und etwas trinken. Da wir noch einen weiten Weg vor uns haben, lassen wir die Rumer Alm und die Vintl Alm, welche wir anschließend passieren, links liegen und gehen weiter. Insgesamt ist es weiterhin stark bewölkt, hin und wieder nieselt es leicht. Meist umgeben uns Wolken. Gegen 12:30 Uhr stehen wir ein weiteres Mal vor der Entscheidung, ob wir in einer Alm einkehren wollen, entscheiden uns aber dagegen und nehmen den oberen Weg, welcher ein paar weniger Höhenmeter verspricht, aber nicht an der Thaurer Alm vorbei führt. Etwa 30 Minuten später beginnt um uns herum dann das Gewitter.  Die Thaurer Alm hätten wir vermutlich gerade so noch trocken erreicht. Etwa eine viertel Stunde lang gießt es wie aus Kübeln und blitzt und donnert. Nach einer Weile kommt noch ein seltsames Rauschen hinzu, welches wir allerdings zunächst nicht einordnen können. Nachdem das Schlimmste vorbei ist, und trotz Regenjacke völlig durchnässt, gehen wir weiter. Dabei queren wir eine Abraumhalde, welche der zerbröselnde Berg hier gebildet hat und erkennen schließlich den Ursprung des Rauschens. Ein Stück über uns hat sich durch die Regenmenge ein Wasserfall gebildet, welcher dort durch eine Rinne hervorbricht und dessen Wasser dann durch den Schutt nach unten abfließt.
Überspülte Wege im Isstal
Abstieg vom Lafatscher Joch
Gegen 13:40 Uhr erreichen wir schließlich das Törl, den auf ca. 1.770m gelegenen Übergang ins Halltal. Geplant ist von hier ein flacher Übergang ins Isstal und der anschließende Aufstieg zum Lafatscher Joch. Allerdings müssen wir nach wenigen Metern in Richtung Isstal umkehren, da der Weg, welcher hier wieder viel über Schutthalden führt, durch das Gewitter verschüttet wurde. Wir müssen also etwa 100m tiefer als geplant ins Halltal absteigen, bevor wir ins Isstal hinüber queren können. Auch bei diesem Abstieg ist der Weg teilweise weggeschwemmt, allerdings führt er hier durch erdiges und bewaldetes Gelände, so dass man über die ausgeschwemmten Rinnen hinweg steigen kann und den Weg danach leicht wiederfindet. Schließlich gelangen wir so auch ins Isstal hinein und steigen dann auf breiten Schotterwegen zum Lafatscher Joch (ca. 2.070m) auf. Es ist zwar immer noch sehr feucht, aber insgesamt hat sich das Wetter beruhigt und so kommen wir gegen 16:50 Uhr am Hallerangerhaus an. Es riecht Kaiserschmarrn! Diesen gab es aber leider nur bis 16:30 Uhr.


Tag 2: Hallerangerhaus - Karwendelhaus
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
09.07.2017 15.5 km 1.610 m 1.550 m 09:00 h Karwendel 2015 - Tag 2

Tour Tag 2
Entlang des Birkkarbaches
Als wir am Morgen des zweiten Tages aus dem Hüttenfenster blicken, hat sich das Wetter deutlich gebessert. Zwar ist es immer noch bewölkt, allerdings liegen die Wolken deutlich höher und ab und an schaut die Sonne durch. Es sieht nicht nach Regen aus. Gegen 8:00 Uhr brechen wir auf. Wir folgen zunächst auf einfachen Wegen dem Lafatscherbach entlang bergab. Dieser entspringt etwas oberhalb des Hallerangerhauses und wird auch als Isarquelle angesehen. Nach einem Abstieg von etwa 500m erreichen wir schließlich den Zufluss des Birkkarbaches. Unser Weg führt an diesem entlang nun wieder bergauf in Richtung Birkkarspitze, dem höchsten Gipfel des Karwendel. Ein dauerhafter Anstieg von etwa 1.610m. Zunächst geht es auf schmalen aber einfachen Wegen oberhalb des Baches ins Tal hinein. Im engen Tal müssen wir auch die ein oder andere Schneebrücke überqueren. Diese machen allerdings noch einen stabilen Eindruck. Auch wenn es recht kühl und weiterhin bewölkt ist, ist es angenehmes Wanderwetter. Innerhalb eines Steilstückes treffen wir eine Gruppe Engländer, die dies anders zu sehen scheinen. Sie befinden sich auf dem Abstieg vom Gipfel und sind komplett in Handschuhe, Mützen und Schals eingepackt, so dass man kaum ein Gesicht sieht. Sie stöhnen über den kalten Wind am Gipfel und sind sicht- und hörbar, irritiert, dass wir unsere Ärmel über die Ellenbogen nach oben geschoben haben.
Schneefeldfeld und Schlauchkarsattel
Gipfel der Birkkarspitze
Nach einer kurzen Vesperpause auf etwa 2.200m erreichen wir schließlich ein flaches Zwischenstück. Hier liegt noch einiges an Altschnee, welchen wir überqueren müssen. Aus diesem Flachstück heraus geht es dann anstrengend über eine sehr tiefe Schotterflanke zum Aufschwung in Richtung Schlauchkarsattel. Dieser letzte Teil des Aufstieges zum Joch ist weitgehend mit Stahlseilen gesichert, welche von uns auch dankend angenommen werden. Gegen 14:30 erreichen wir das Notbiwak am Schlauchkarsattel, samt angeschlossenem Kinderfahrrad. Ohne Pause geht es den kurzen Aufstieg zum Gipfel hinauf, wo pünktlich zu unserer Ankunft die Wolken ein wenig aufreißen. Nach einer kurzen Pause geht es zurück zum Sattel und dann hinab ins Schlauchkar. Im Abstieg dient der zuvor verfluchte Schotter nun zu unserem Vorteil, so dass wir schnell vorankommen und nach etwa zwei Stunden Abstieg das Karwendelhaus erreichen.


Tag 3: Karwendelhaus - Mittenwald
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
10.07.2017 18.8 km 895 m 1.720 m 08:20 h Karwendel 2015 - Tag 3

Tour Tag 3
Karwendelhaus und Birkkarspitze
Am letzten Tag geht es für uns ins Tal nach Mittenwald und von dort mit dem Zug wieder nach Hause. Anhand der Karten und der online verfügbaren Höhenprofile hatten wir eigentlich einen eher gemütlichen Abstieg erwartet. Vom Hüttenwirt im Karwendelhaus werden wir aber schon gewarnt, dass wir nur bis zur Hochlandhütte, oberhalb von Mittenwald, mindestens sechs Stunden einplanen sollten. Schon kurz vor 8:00 Uhr morgens geht es also wieder los. Von der Hütte aus gehen wir zunächst durch das Karwendeltal. Allerdings bleiben wir auf einem schmalen Steig auf ungefähr gleichbleibender Höhe und erreichen nach etwas über zwei Stunden die Bäralplscharte, durch die wir auf die nördliche Seite der Karwendelkette wechseln. Zunächst legen wir aber noch eine kurze Vesperpause ein.
Gjaidsteig in Richtung Westen
Blick zurück Richtung Bäralplscharte
Frisch gestärkt geht es nach etwa 15 Minuten weiter. Der Gjaidsteig, wie unser Weg hier heißt, führt nun entlang einiger Felsbänder etwa 200m bergab. Er ist hier teilweise mit Stahlseilen versichert und zu unserer rechten Seite geht es meist steil abwärts. Nachdem wir den Abstieg hinter uns haben, geht es wieder westlich in Richtung Hochlandhütte. Auf den Karten sah es hier so aus, als würde der Weg in fast gleichbleibender Höhe unterhalb des Bergzugs entlangführen. Nun stellt sich allerdings heraus, dass deutlich mehr Höhenmeter zu überwinden sind, als gedacht. Der wieder äußerst schotterige Untergrund tut sein übriges und in diesem verlieren wir einmal sogar kurzzeitig den Weg und müssen uns diesen querfeldein selbst suchen. Nach etwa 6:15h erreichen wir dann die Hochlandhütte, wo wir uns vor dem Abstieg nach Mittenwald noch ein spätes Mittagessen gönnen. Anschließend steigen wir, das Ziel ist es, den nächsten Zug noch zu erreichen, in etwa 1:15h bis hinab zum Bahnhof in Mittenwald und von dort geht's wieder nach Hause.

Sonntag, 6. August 2017

Eiskurs - Wildspitze

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
13.07.2017 17,5 km 1.440 m 1.440 m ca 11:30 h Wildspitze

Route über Taschachferner
Aufstieg im Nebel
Für den Donnerstag war laut Wetterbericht das beste Wetter der gesamten Eiskurs-Woche zu erwarten und damit stand der Termin für die geplante Besteigung der Wildspitze schon Tage vorher fest. Früh aufstehen lautete damit die Devise für diesen Morgen. Die Rucksäcke wurden bereits am Vorabend gepackt und nachts um 03:45 Uhr klingelte der Wecker. Punkt 04:00 Uhr trifft man sich zum Frühstück. Da außer uns noch weitere Gruppen die Wildspitze in Angriff nehmen wollen, ist für uns sogar um diese Uhrzeit das Frühstücksbuffet vorbereitet worden. Gut gestärkt machen wie uns also um 04:45 Uhr, im Schein unserer Kopflampen, auf den weg in Richtung Gletscher. Diesen Weg sind wir in den vorangegangenen Tagen, im Rahmen der Eisausbildung, bereits zwei mal gegangen und so birgt er auch im Dunkeln keinerlei Überraschungen. Gegen 05:30 Uhr erreichen wir den Gletscher und ziehen die Steigeisen an. Der gesamte Weg zur Wildspitze führt uns ab hier über den Taschachferner. Noch ist es allerdings nicht nötig, sich zu einer Seilschaft einzubinden, da der Gletscher hier im unteren Bereich blank ist und so alle Spalten sichtbar sind. Die Kopflampen werden nun auch nicht mehr benötigt, da es langsam zu dämmern beginnt. Allerdings ist die Sicht noch nicht gut, da der Ferner noch komplett im Nebel hängt.

Als Seilschaft über den Gletscher
Letzter Aufschwung Richtung Gipfel
Nach weiteren rund 1:30 Stunden auf dem Gletscher erreichen wie in ca. 3.000 m Höhe den Bereich, in welchem nun Firn das Eis bedeckt. Ab jetzt sind nicht mehr alle Gletscherspalten einfach sichtbar und so binden wir uns nun zu einer Seilschaft zusammen und packen die Eispickel aus, welche wir ab jetzt nutzen werden
Auch wenn unser Weg in Richtung Wildspitze ausschließlich über den Taschachferner führt, führt uns dieser Weg nicht geradewegs in Richtung Gipfel. Um die Bereiche der meisten und größten Spalten zu meiden, suchen wir uns stets den Weg der geringsten Steigung über den Gletscher und dieser Weg führt uns in einer Rechtskurve in Richtung Süden. Links oberhalb unseres Weges liegt ein Bereich größerer Séracs, weshalb die Spur, der wir hier folgen, möglichst weit rechts angelegt wurde. Über ein paar kleinere Spalten führt der Weg hier allerdings trotzdem und so sinkt man hin und wieder mit einem Bein etwas tiefer ein. Meist sind die Firnbrücken, zu dieser frühen Stunde, noch recht stabil und wir kommen gut voran. Nach weiteren 90 Minuten und etwa 350 Metern Steigung biegen wir links ab und gehen nun in östlicher Richtung genau auf die Wildspitze zu. Die Sicht ist jedoch weiterhin ziemlich schlecht, so dass wir den Gipfel nur von Zeit zu Zeit kurz sehen können, meist sind wir weiterhin von Nebel umhüllt.
Kurz nach 09:00 Uhr erreichen wir schließlich den letzten steilen Gletscheraufschwung. Auf fast 3.500 m eine letzte "Hürde", bevor es über einen felsigen Grat hinauf zum Gipfel geht. Diese Stelle erreichen wir dann um kurz nach 10:00 Uhr und machen eine kurze Verschnaufpause.

Wildspitze Südgipfel
Südwestgrat zum Gipfel
Auch wenn die letzten 120 m des Anstieges bis zum Gipfel über einen felsigen Grat führen, lassen wir die Steigeisen angelegt. Auf dem gefrorenen Untergrund bieten diese einen besseren Halt und auch auf größeren Felsblöcken lässt es sich damit doch noch recht gut gehen. Etwa 35 Minuten benötigen wir für den Aufstieg über den Südwestgrat, so dass wir um kurz vor 11:00 Uhr auf dem Südgipfel der Wildspitze stehen. Das Wetter hat sich inzwischen ein wenig gebessert und hin und wieder kommt sogar die Sonne durch. Aufgrund der vielen Wolken ist jedoch keine Fernsicht gegeben.
Nach rund 15 Minuten am Gipfel steigen wir wieder zum Sattel unterhalb des Gipfels ab, wo wir die erste größere Pause einlegen und unsere mitgebrachten Pausenbrote verzehren und uns anschließend auf den Abstieg vorbereiten. Dieser erfolgt auf identischem Weg wie der Aufstieg, so dass wir auf dem Gletscher denselben Spuren folgen können, welche wir bereits während des Aufstiegs genutzt haben.

Ausblick von der Wildspitze (3.770 m)

Spaltenbergung vor dem Brochkogel
Gletscherspalte Taschachferner
Als wir uns um 12:00 Uhr auf den Rückweg machen, ist es inzwischen fast durchgehend sonnig, so dass wir die Jacken ausgezogen lassen können. Allerdings wird durch die steigenden Temperaturen nun auch der Firn immer weicher. Dies macht einerseits das Gehen anstrengender, andererseits steigt auch das Risiko, in eine Gletscherspalte einzusinken.
Wir steigen also zügig ab und lassen den letzten Aufschwung, welcher uns am Vormittag noch einiges an Kraft gekostet hat, zügig hinter uns. Der Brochkogel, welcher südlich unseres Weges liegt, macht nun seinem Namen alle Ehre, denn alle paar Minuten brechen Felsbrocken aus dessen Flanke, welche deutlich hörbar die Flanken herabfallen und schließlich unterhalb auf dem Gletscher landen. Dies jedoch in sicherer Entfernung unseres Weges.
Als wir nach etwa einer Stunde des Abstieges an einer großen Gletscherspalte vorbeikommen, legen wir noch einmal eine Pause ein, um im realistischen Umfeld die Spaltenbergung im Mannschaftszug zu üben. Nacheinander werden also zwei Mitglieder der Seilschaft in die Spalte hinabgelassen und dann durch die restlichen Mitglieder wieder herausgezogen. Anschließend geht es dann weiter bergab. Der Firn ist nun merklich tiefer, als beim Aufstieg, und immer wieder sinken Mitglieder unserer Gruppe bis zur Hüfte ein, ohne aber jemals komplett in einer Spalte zu verschwinden. Gegen 14:20 Uhr erreichen wir schließlich wieder den blanken Bereich des Gletschers und lösen uns aus der Seilschaft. Die Steigeisen lassen wir aber noch an, bis wir, noch einmal eine Stunde später, den Gletscher wieder verlassen. Um 16:15 erreichen wir schließlich wieder das Taschachhaus.

Samstag, 22. Juli 2017

Eiskurs - Nördliche Sexegertenspitze

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
11.07.2017 9,3 km 970 m 970 m ca 7:30 h Nördl. Sexegertenspitze

Klettersteig
Nördl. Sexegertenspitze
Im Rahmen eines Eiskurses geht es zu einer ersten Probetour auf die nördliche der Sexegertenspitzen. Da einer der Teilnehmer mit Migräne nur eine Stunde geschlafen hat, brechen wir um kurz nach 07:00 Uhr morgens nur zu sechst am Taschachhaus auf. Von der Hütte aus geht es zunächst in südwestlicher Richtung hinab ins Tal des Sexegernetbaches und dann am Bach entlang bergauf. Gegen 8:15 Uhr erreichen wir schließlich das ehemalige Gletschertor des Sexegertenferners. Noch vor wenigen Jahren musste man hier auf den Gletscher wechseln und anschließend über diesen aufsteigen. Ein Rest von Eis ist hier zwar noch vorhanden, dieses hat aber keinerlei Verbindung mehr zum Gletscher und ist nun dabei abzuschmelzen. An einem steilen Stück Fels, welches zuvor vom Gletscher überflossen wurde, wurde nun ein kurzer Klettersteig eingerichtet, über welchen man nun hinauf an den Rand des Sexegertenferners gelangt. Dort angelangt, werden die Steigeisen angelegt und die Eispickel ausgepackt, es geht auf den Gletscher.

Querung in Richtung Gipfel
Gletscher mit nachfolgender Seilschaft,
Wildspitze im Hintergrund
Da der erste Teil des Gletschers noch komplett blank (und auch spaltenfrei) ist, legen wir die ersten Meter ohne Seil zurück. Bevor es dann aber in den ersten steilen Aufschwung in südlicher Richtung geht, binden wir uns zu einer 6er-Seilschaft zusammen. Zunächst geht es auch noch über Schotter und Felsbrücken, welche hier den Gletscher bedecken, aber sobald der Anstieg steiler wird, beginnt auch der Firn bedeckte Teil des Sexegertenferners. Soweit möglich, steigen wir nun in direkter Linie bergauf, müssen aber auf etwa 3.000 m  Höhe einige größere Gletscherspalten umgehen. Hin und wieder sinkt man auch mit einem Bein etwas tiefer ein, jedoch nie so stark, dass man sich nicht selbst wieder befreien könnte. Nachdem wir diesen Aufschwung bewältigt haben, biegen wir nach Westen ab und queren den Ferner flach in Richtung nödlicher Sexegertenspitze. Nach etwa einem halben Kilometer wird das Gelände dann wieder steiler. Wir steigen nun hinauf zum Sattel zwischen den beiden Sexegertenspitzen. Auch gibt es hier wieder vereinzelt verdeckte Spalten, welche allerdings keine größeren Probleme bereiten. Gegen 10:50 Uhr erreichen wir schließlich den felsigen Sattel und entledigen uns der Steigeisen, bevor wir die 60 Höhenmeter zum Gipfel in Angriff nehmen. Diesen erreichen wir 20 Minuten später. Der gesamte Aufstieg hat damit etwas über vier Stunden gedauert.

Gepatschferner

Gletscherspalte
Bachüberquerung
Auf dem Gipfel wird die erste wirkliche Rast eingelegt und das von der Hütte mitgebrachte Brot gegessen. Trotz einiger Wolken ist der Blick auf die umliegenden Berge gut und wir können auch schon einmal einen Blick zur östlich gelegenen Wildspitze richten, welche zwei Tage später unser Ziel sein soll. Im Westen können wir den großen Gepatschferner sehen, welcher mit den angrenzenden Gletschern die größte Gletscherfläche Österreichs bildet.
Nach etwa einer halben Stunde brechen wir wieder auf und machen uns an den Abstieg. Zunächst geht es kurz zurück zum Sattel, wo wir unsere zurückgelassenen Steigeisen wieder anlegen. Bei dem guten Wetter wird der Schnee immer weicher und somit steigt auch die Gefahr, dass Schneebrücken über Spalten nicht mehr halten und man in diese einbricht. Im ersten Steilstück sinken Einige von uns auch stellenweise bis zur Hüfte ein. Meistens ist der Weg jedoch kein Problem und wir orientieren uns beim Abstieg an den Spuren, welchen wir bereits im Aufstieg gefolgt sind. So werden die größeren Spalten auch wieder auf dem selben Weg umgangen und nach etwa 80 Minuten erreichen wir wieder den unteren, blanken Teil des Gletschers und verlassen diesen an der selben Stelle wie beim Aufstieg. Nachdem Steigeisen und sonstige Eisausrüstung verstaut sind, geht es wieder in Richtung Klettersteig. Auf diesem Weg zeigt sich ein weiteres "Problem", welches beim Bergwandern auftreten kann: Durch die tagsüber steigenden Temperaturen ist ein Abfluss des Gletschers, welcher am morgen einfach durchgangen werden konnte, deutlich breiter geworden. Der Bach wird schließlich, unterstützt durch ein herübergeworfenes Seil, übersprungen. Anschließend geht es wieder durch den Klettersteig hinab und das Tal abwärts zurück zum Taschachhaus.


Montag, 4. April 2016

Rätikon 2014 Tag 2 - von der Pfälzer Hütte zur Totalphütte

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
25.08.2014 13,4 km 1.310 m 1.050 m ca 7:20 h Rätikon - Tag 2

Tour Tag 2
Pfälzer Hütte
Am Morgen des zweiten Tages heißt es natürlich wieder früh auszustehen. Nach unserer Luxusunterbringung im Einzellager gut ausgeruht, auch wenn es in der Nacht recht frisch wurde. Die Decken sind aber ausreichend dick. Über den Liechtensteiner Höhenweg und den Brandner Gletscher wollen wir heute zur Schesaplana hinüber, dem höchsten Berg im Rätikon. Auch wenn es für die 3000 m Marke (leider) nicht ganz reicht. Anschließend folgt dann noch der Abstieg vom Gipfel zur Totalphütte. Während ich auf der Hütte noch ein Müsli esse, nimmt mein Schwager nur einen Kaffee und frühstückt dann auf den ersten Metern der Tour die Reste seines Kaiserschmarrns vom Vorabend. Um 08:00 Uhr brechen wir auf.

Tschingel, 2541 m
Ziegen am Liechtensteiner Höhenweg
Zu Beginn des Weges geht es relativ ruhig los. Auf der österreichischen Seite der Grenze, bzw. des Grates, geht es in einem ständigen Auf und Ab Richtung Süden, bevor der Weg dann langsam aber sicher in Richtung Osten abschwenkt, auf den Pass, der Gross Furgga, zu. Dabei lassen sich vom Weg aus auch viele Murmeltiere und ganze Herden von Gemsen beobachten. Kurz vor der Gross Furgga kommt dann auch noch eine Herde Ziegen hinzu. Diese sind allerdings nicht ganz so scheu wie ihre wilden Verwandten und folgen uns wohl fast eine viertel Stunde lang bergauf, immer in der Hoffnung auf etwas zu essen. Kurz vor dem Pass geben sie es aber auf und bleiben zurück, während wir am Pass die Grenze zur Schweiz passieren. Unterhalb des Hornspitz führt uns der Weg hier zur Chlei Furgga, einem weiteren Pass an der Grenze zu Österreich. Vom Startpunkt abgesehen erreichen wir hier den tiefsten Punkt unserer Tagesetappe. Etwa zwei Stunden haben wir für diesen Teil gebraucht und so suchen wir uns knapp unterhalb des Passes ein windgeschütztes Fleckchen und machen eine kurze Vesperpause.

In Serpentinen steil bergauf
Versicherter Steig zum Schafloch
Danach führt der Weg, weiterhin auf der südlichen schweizer Seite des Grates, steil bergauf. Das Wetter ist an sich nicht schlecht, aber der Wind ist recht stark und äußerst schneidend. Es heißt also Handschuhe und Mütze auszupacken, während man stetig bergauf geht. Nachdem wir auf diese Weise etwa 330 m gewonnen haben, biegt der Pfad nach links ab und führt nun in kurzen Serpentinen direkt den Berg hinauf. Nachdem wir auf diese Weise weitere 150 m Anstieg keuchend hinter uns gebracht haben, erreichen wir wieder einen kleinen Pass zwischen Schafberg und Salaruelkopf. Ab hier wird es nun deutlich flacher, denn der Weg führt wieder an der Bergflanke entlang in Richtung Osten. Der Weg ist nun aber deutlich ausgesetzter und oftmals auch versichert, was wir an dieser Stelle dankend annehmen. Etwas über zwei Stunden nach unserer Pause erreichen wir so das Schafloch, den östlichen Zugang zum Brandner Gletscher. Vor uns sehen wir nun erstmals die Schesaplana.

Brandner Gletscher
Schesaplana in Wolken
Für uns beide ist es der erste Weg über einen Gletscher. Ohne jegliche Spalten und auch in recht flachem Gelände gelegen, birgt der Brandner Gletscher jedoch nicht die Gefahren, welche andere Gletscher mit sich bringen. Der Weg über den Gletscher ist also auch für dahingehend unerfahrene Wanderer machbar. Nichtsdestrotzrotz habe ich Grödeln mitgebracht, welche ich mir nun unter die Stiefel schnalle. Nötig wären diese zwar nicht, aber auf dem weitgehend unberührten Schnee hat man so doch einen deutlich besseren Halt und deshalb gehe ich voraus und spure uns den Weg in Richtung Schesaplana. Während wir uns dem Gipfel unserer Tour nähern, ziehen immer mehr Wolken auf und verhüllen den Berg nun, so dass er kaum mehr zu sehen ist. Dies soll sich auch leider an diesem Tag nicht mehr bessern und wir gehen die Besteigung des Gipfels schließlich ohne schöne Aussicht an. Aufgrund der kühlen Witterung, des Windes und des einsetzenden leichten Nieselregens, beeilen wir uns am Aufstieg. Zugegebenermaßen ist dieser ohne Aussicht reichlich unspektakulär und äußerst einfach. Die sonst obligatorische Pause am Gipfel streichen wir dann auch und steigen direkt wieder in Richtung Totalphütte ab, welche wir nur eine Stunde nach dem Gipfel erreichen.

Donnerstag, 31. März 2016

Rätikon 2014 Tag 1 - von Brand zur Pfälzer Hütte

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
24.08.2014 16,8 km 2.000 m 950 m ca 8:00 h Rätikon - Tag 1

Tour Tag 1
Für die alljährliche Wanderung mit meinem Schwager haben wir uns für das Jahr 2014 eine drei-Tages-Tour durchs Rätikon entschieden. Mit der Schesaplana steht im Rahmen einer Rundtour der höchste Gipfel im Rätikon auf dem Plan. Und da bei einer Dauer von nur drei Tagen jeder Tag zählt, hat es schon die erste Tour gleich in sich. Entsprechend früh machen wir uns am Sonntag dem 24.08. auf den Weg. Schon um kurz nach 5:00 Uhr morgens sind wir auf der Straße und auf dem Weg ins Brandnertal. Gegen 08:00 Uhr erreichen wir in Brand bei Bludenz schließlich einen großen, leeren Skiliftparkplatz, auf dem wir das Auto für die nächsten Tage stehen lassen werden. Da es im Moment aber noch etwas regnet, warten wir ein wenig, in der Hoffnung, dass es in der nächsten Zeit trockener wird. Und wir haben Glück. Gegen 08:30 Uhr kann es, noch im leichten Niesel, endlich losgehen.

Zalimtal
Aufstieg zur Oberzalimscharte
In der vergangenen Nacht hat es noch bis auf ca. 2.000 m hinab geschneit und auch an diesem Morgen ist es noch entsprechend frisch. Hinzu kommt der leichte Regen, der aber sehr bald aufhört. Noch hängen die Wolken sehr tief im Tal, aber von Zeit zu Zeit kann man auch schon ein Stückchen blauen Himmel erblicken. Zunächst geht es durch das Zalimtal bergauf, oft über breite und leicht zu begehende Fahrwege. Die Steigung sorgt jedoch bald dafür, dass uns ausreichend warm wird. Gleich darauf verlassen wir dann auch die Fahrwege und nun führen Pfade über die Wiesen des oberen Zalimtals. Nach etwas unter zwei Stunden Laufzeit und etwa 840 m Steigung erreichen wir schließlich die Oberzalimhütte auf 1.889 m. Diese Hütte des Mannheimer Alpenvereins dient als Versorgungshütte der Mannheimer Hütte. Von hier aus führt eine Materialseilbahn zu der höher gelegenen "Schwesterhütte".

Eis an der Oberzalimscharte
Blick zur Pfälzer Hütte
Nach etwas Kaffee/Apfelsaftschorle geht es ca. 45 min später weiter hinauf in Richtung Oberzalimscharte. Dank des Turbotrockenraumes der Hütte sind auch unsere Hosenbeine, welche nach dem Aufstieg durch feuchte Wiesen ganz nass waren, wieder trocken und warm. Das Wetter wird weiterhin immer besser und auch der Neuschnee, welchen wir bei unserem Aufbruch noch gesehen hatten, scheint sich immer weiter zurückzuziehen. Etwas unterhalb der Scharte beginnt dann das alpine Gelände und so geht es nun über Fels hinauf zu Scharte, welche wir gegen 12:00 Uhr erreichen. An der Scharte angekommen entschließen wir uns dazu, den etwa 100 m höher gelegenen Oberzalimkopf noch mitzunehmen. In südlicher Richtung geht es also weglos knapp unterhalb des Grates nach oben. Aufgrund des oftmals vereisten Felses entschließen wir uns aber auf ca 2.400 m zum Umdrehen, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Wir kehren also zur Scharte zurück und steigen durch den Spusagang ab ins Gamperdonatal. Auf der anderen Seite des Tales können wir bereits die Pfälzer Hütte erkennen.

Nenzinger Himmel
Aufstieg zur Pfälzer Hütte
Im Gamperdonatal angekommen, machen wir zunächst noch einmal eine ausführliche Rast am Ufer des Hirschsees und essen unsere mitgebrachten Vesperwecken. Frisch gestärkt geht es dann durch das kleine Bergdörfchen Nenzinger Himmel. Inzwischen ist es teilweise fast schon sonnig, wenn auch frisch, bestes Wanderwetter also. Kurz vor 14:30 Uhr machen wir uns schließlich an die letzten 700 m Aufstieg in Richtung Pfälzer Hütte. Diese liegt auf dem Grat, welcher die Grenze zwischen Österreich und Lichtenstein bildet. Der Weg führt nun bis zur Hütte wieder über Wiesen und Weiden. Durch den Niederschlag der letzten Tage und die weidenden Kühe führt dies allerdings dazu, dass die Pfade teilweise sehr tief ausgetreten und schlammig sind. Zusammen mit den vielen Höhenmetern, welche wir an diesem Tag schon in den Beinen haben, sorgt das dafür, dass ich mich die letzten Meter zur Hütte mehr schleppe als laufe, aber kurz vor 16:30 ist es dann doch geschafft. Am Abend auf der Hütte gibt es dann Spaghetti/Kaiserschmarrn und eine Übernachtung im Privatlager, d. h. zu zweit in einem Lagerzimmer für vier Personen. Für eine Hüttenübernachtung also äußerst luxuriös.

Samstag, 27. Dezember 2014

Réunion Tag 10 - von der Gîte du Piton des Neiges nach Bourg Murat

Tourdaten
Datum Länge Aufstieg Abstieg Dauer Link
01.11.2014 19,3 km 475 m 1.325 m 9:30 h Réunion Tag 10

Track Tag 10
Dämmerung über den Wolken
Nachdem wir den Piton des Neiges schon am Nachmittag des Vortages bestiegen haben und uns den Sonnenaufgang nicht vom Gipfel aus ansehen, können wir ein wenig länger schlafen als die meisten Anderen in unserem Zimmer. Bereits um 03:00 Uhr in der Nacht herrscht kurzzeitig Hochbetrieb, als die meisten Wanderer in Richtung Gipfel aufbrechen. Wir schlafen noch ein wenig, unser Wecker klingelt erst um 04:15 Uhr. Nachdem wir die wichtigsten Sachen (warme Klamotten) zusammengepackt und das Zimmer verlassen haben, schläft dort nur noch eine Person (von ursprünglich 15). Um 04:35 Uhr geht es dann los zu dem Aussichtspunkt, den wir uns Tags zuvor ausgesucht hatten. Am Horizont beginnt es zwar schon ganz leicht zu dämmern, aber der Sonnenaufgang ist noch eine Stunde entfernt. So sind wir tatsächlich auf Stirn- und Taschenlampen angewiesen, um die weißen Punkte am Boden nicht zu verlieren. Einmal kommen wir allerdings doch kurz vom Weg ab, bemerken dies aber gleich und korrigieren unseren Fehler schnell. Nach 30 Minuten sind wir dann auf unserem Aussichtsfelsen und warten auf den Sonnenaufgang. 
Sonnenaufgang
Dieser verspricht leider nicht ganz so zu werden, wie erhofft, denn über dem Meer werden wir die Sonne nicht aufgehen sehen. Bis zum Horizont erstreckt sich unter uns eine große Wolkenfläche. Über den Wolken und auf 2.700 m Höhe ist es bitterkalt und wir ziehen so ziemlich jede verfügbare Schicht an Kleidung an, die wir mitgenommen haben. Nach einer halben Stunde warten und fotografieren ist der Sonnenaufgang um 05:35 gekommen und in den Sonnenstrahlen wird es direkt spürbar wärmer. Noch etwa 10 Minuten beobachten wir die aufsteigende Sonne und machen uns anschließend wieder auf den Rückweg zur Hütte und zum Frühstück. Da wir neben dem Zurückgebliebenen hier die einzigen Gäste sind, bekommen wir dieses dann auch als erste ausgehändigt.

Cirque de Cilaos
Gegen 07:30 Uhr haben wir dann schließlich unsrer Rucksäcke wieder komplett gepackt, gefrühstückt und sind bereit für den Abstieg nach Borug Murat. Von ein paar kurzen Stellen abgesehen geht es am heutigen Tag nämlich ausschließlich bergab, bis wir auf 1.600 m die Plaine des Cafres erreichen, in der unser heutiges Etappenziel liegt. Zunächst geht es wieder die wenigen Meter zurück, über die wir am Vortag zur Hütte gekommen sind. An der Abbruchkante zum Cirque de Cilaos entlang geht es dann - sehr felsig - in Richtung Süden. Dabei haben wir noch einmal die Chance, den Ausblick ins Kesselinnere zu genießen, bevor wir diesen Teil der Insel endgültig hinter uns lassen. Zumal das Innere so früh am Tag noch weitgehend wolkenfrei ist.
Cavernes du Bras Chansons
Schließlich heißt es aber Abschied nehmen und wir wenden uns nun ein wenig weiter in Richtung Osten, immer weiter bergab. Oftmals folgen wir dem Verlauf kleinerer Ablaufrinnen und der Weg wird schlammiger. Hin und wieder queren wir auch kurze, lichte Stellen mit Gras, allerdings muss man auch hier immer wieder aufpassen, dass man nicht im Matsch stecken bleibt. Von dem feuchten Untergrund abgesehen kommen wir allerdings gut voran. Der Bewuchs um uns herum wird nun auch wieder etwas höher, bis wir schließlich wieder von Pflanzen umgeben sind, die man fast schon als Bäume bezeichnen könnte. Und natürlich, wo größere Pflanzen wachsen können, dort ist auch mehr Erde und damit in unserem Falle: mehr Matsch. Als wir gegen 09:45 schließlich eine Stelle erreichen, an der ein (sauberer) Bachlauf unseren Weg oberhalb einer Höhle quert, machen wir kurz Pause, trinken etwas und putzen unsere Schuhe ein wenig.

Großer Tenrek
Schon nach wenigen Metern des weiteren Weges zeigt sich allerdings, dass dies heute vergebene Liebesmühe ist. Wir bewegen uns jetzt zwar nicht mehr direkt in Richtung des Wasserflusses, sondern unterhalb eines Grates entlang, wobei wir langsam wieder etwas an Höhe gewinnen. Der Wald wird nun immer dichter und nicht das erste Mal bin ich an Neuseeland erinnert: Der halbe Wald besteht hier aus Baumfarnen und anderen Farngewächsen. Hier entdecken wir dann auch unser erstes und einziges und bis dato unbekanntes Säugetier auf Réunion. Hinter einer Kurve wuselt plötzlich direkt neben dem Weg ein Großer Tenrek durchs Unterholz. Zunächst denken wir, dass er direkt abhauen will, doch dieser scheint Touristen schon gewohnt zu sein und durchwühlt völlig ungestört weiter den Boden auf der Suche nach Würmern und Käfern. Da wir zu diesem Zeitpunkt den korrekten Namen des kleinen Säugers noch nicht kennen, wird dieser bei uns in der Folge meist als "Rüsseligel" bezeichnet.

Bras de Sainte-Suzanne
Plaine des Cafres
Kurze Zeit später erreichen wir dann den Grat und haben nun nicht mehr nur die Aussicht auf eine Ebene voller Farne links von uns, sondern auch rechts von uns einen steilen Abbruch, hinab zum Bras de Sainte-Suzanne. Wir bewegen uns aber weiter auf dem Grat in Richtung Osten, bis uns dieser schließlich in die Plaine des Cafres führt, eine Hochebene auf etwa 1.600 m Höhe. Noch befinden wir uns allerdings auf fast 2.000 m und so geht es, wieder einmal sehr schlammig, hinab zu Ebene. Die vielen, kreisrunden Hügel innerhalb der Ebene geben schon einen Hinweis darauf, dass wir uns schon am nächsten Tag in aktives vulkanisches Gelände begeben, denn hier trifft man schon auf die ersten inaktiven Nebenkrater. Auf etwa 1.700 Höhenmetern verlassen wir schließlich den Nationalpark auch wieder und wandern nun an Kuhweiden und Stacheldrahtzäunen entlang. Man könnte sich genauso gut im Alpenvorland befinden. Gegen 13:00 Uhr erreichen wir einen Wanderparkplatz und damit auch wieder eine geteerte Straße. Dieser folgen wir für etwa 2 km, bis wir schließlich an der Abzweigung des GR R2 in Richtung Piton de la Fournaise stehen. Leider gibt es hier aber keine Unterkunft und so sind wir gezwungen, der Straße noch einmal fast 3 km zu folgen, bis wir schließlich Bourg Murat erreichen. Ein Weg, dem wir am nächsten Morgen in umgekehrter Richtung wieder folgen werden.
Die Unterkunft entschädigt uns allerdings ein Stück weit für diesen Umweg. Hier gibt es keine Gruppen-, sondern zwei Doppelzimmer und pro Zimmer eine warme Dusche. Auch der Gastgeber ist überaus herzlich und das Abendessen (3 Gänge) sehr gut!